Der Overall in Theorie und Praxis

#1 von It's Me ( Gast ) , 06.08.2017 15:05

Tja, Leute,

nachdem ich jetzt ein paar Tage hier mitgelesen habe, und auch mal etliche Threads in anderen Themen zumindest quergelesen habe, muss ich wohl meine Sichtweise auf Overalls doch mal etwas revidieren, oder sagen wir lieber: Erweitern.

Es ist ja nicht so, dass Overalls neu für mich sind. Genau genommen habe ich seit je her welche gehabt, nur war mir überhaupt nicht klar, dass man so unterschiedlich darauf reagieren kann. Für diese Einsicht muss ich mich an dieser Stelle mal bei den Forenteilnehmern bedanken, da wäre ich vielleicht sonst nicht so leicht drauf gekommen. Ich wäre auch nicht drauf gekommen, dass das alles sowohl für die Träger gilt, als natürlich auch für die Menschen in seiner Umgebung.

Oder wäre es vielleicht besser gewesen, nicht drauf zu kommen?
Hin oder her: Das erklärt möglicherweise so einiges.

Ich habe irgendwann, als ich noch Schüler war, mal einen Ferienjob gemacht, dafür brauchte ich eine Latzhose. Okay, gekauft, benutzt. Später habe ich auch mal eine Latzjeans gekauft, einfach so zum anziehen, war mal was anderes.
Einen Overall habe ich erstmals gekauft, als ich ihn brauchte, das war auch ein Arbeitsoverall. Gebraucht. Gekauft. Benutzt. Dann wurden irgendwann Ski-Klamotten gebraucht. Die Überlegung "Wenn ich Anfänger mich schon dauernd langmache, bleibt der Schnee wenigstens draußen!“ führte dazu, dass ich einen Skioverall gekauft habe. Das Gewurschtel mit Hosenträgern, die andernfalls unter einer Jacke getragen würden, gefiel mir auch konzeptionell nicht.
Ich habe dann im Laufe der Zeit noch ein paar Overalls und Latzhosen gekauft, aus rein praktischen Überlegungen. Nach dem Skioverall noch div. Arbeitsoveralls, einen Fliegeroverall, einen regendichten Overall, einen Thermooverall, etliche Lackieroveralls, ja, auch drei Neoprenoveralls habe ich zum Surfen schon gekauft, ohne mir dabei was zu denken. Ich habe auch nie darüber nachgedacht, ob andere was dabei denken.

Alles das habe ich in meiner Betrachtung bisher nicht als Overall-Käufe im Sinne dessen, dass ich sie als Overalls gekauft habe, betrachtet. Ich habe es immer so gesehen, dass ich einfach dem Zweck angemessene Kleidung gekauft habe. Das waren denn eben mal Latzhosen, mal Overalls, mal auch nicht.
Ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch so sehen kann. Ich bin ja jetzt eigentlich das erste Mal losgezogen, um explizit Overalls zu kaufen. Daher habe ich in der bisherigen Diskussion diese früheren Käufe auch gar nicht weiter betrachtet. Die Diskussion begann für mich mit den (an sich ja sonst ‚zweckfreien‘) Kuscheloveralls, von denen ich den ersten anlasslos gekauft habe, und ging dann weiter zu den ‚modischen‘ Overalls, also all denen, für die es keine praxisbezogene Motivation gab, außer der Frage, ob man seinen Kleiderschrank nicht noch um eine interessante Option außerhalb des aktuellen Mainstream erweitern könnte.

Es gibt da nun rückblickend Ereignisse, die jetzt vielleicht in einem anderen Licht dastehen. Da war z.B. die Frau, die wahrscheinlich auf Männer in dreckigen Overalls stand, ohne das aber vor dem Hintergrund ihrer konservativen Sauberkeitserziehung je zugeben zu können, sondern immer von Männern bei der Arbeit sprach. Da waren die Männer, die in einer Umgebung, in der eigentlich traditionell Overalls getragen wurden, diese strickt ablehnten, ohne echte Gründe, oder sich über die Teletubbies lustig machten. Da war die Bäckersfrau, die immer besonders freundlich zu jungen Handwerkern (denen in Overalls) war. Da war der Typ, der oft im Surf-Neopren am Strand war, den ich aber nie habe surfen sehen: Ich hab’ immer gedacht, der traut sich nicht auf's Wasser, wenn wir alle zugucken. Da war der Typ, der immer auf Flugtagen im Pilotenoverall herumlief, aber keine Ahnung vom Fliegen hatte.

Wenn also alle diese Leute mit irgendwelchem derartigen Ballast im Kopf herumlaufen, dann erklärt das vielleicht, warum der Overall es speziell in der Herrenmode so schwer hat. Da läuft überall Kopfkino! Unter 100 Passanten ist bestimmt mindestens einer, vielleicht mehr, der sich beim Anblick eines Mannes im Overall auf der Straße wenigstens ganz kurz fragt: Tickt der genau so wie ich? Wenn dann noch Signale dazu kommen wie z.B. etwas zu enge Passform oder ‚spezielles‘ Material, dann wird aus der Frage eine Ahnung, kommt dann noch ein Verhalten dazu wie Blickkontaktsuche oder Posing, das dies bekräftigt, dann wird es schon eine starke Vermutung, und so weiter. Aus der Gewissheit wird dann irgendwann eine Erwartung, und die verändert alles.

Das erklärt auch, warum jemand, der davon nichts ahnt, davon auch nichts mitbekommt. Das Ganze ist eine Kommunikationstheoretisch hoch interessante Fragestellung, weil es ein wenig was von Self Fulfilling Prophecy hat, und eventuell eine Tatsache wirklich erst durch das Wissen darum und die daraufhin ganz subtil und unbewusst veränderte Kommunikation bzw. Interaktion entsteht.

Zu dumm, dass ich jetzt was davon ahne. :-/ Dadurch sehe oder befürchte ich jetzt vielleicht Dinge, die mich vorher nicht belastet haben, und die darum auch tatsächlich nicht existiert haben, es aber jetzt könnten.

Rätselhafte Grüße.

It's Me

RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#2 von Jumpiger , 07.08.2017 11:15

Hallo It's Me

Cool was Du da geschrieben hast, ich gebe Dir recht es ist so, wie auch mit vielen anderen Sachen im Leben.
Ich trage sehr oft Latzhosen, Overalls habe ich nur so Arbeitsoveralls, aber dafür einige Jumping und Thermo Overalls.
Im Winter trage ich ab und zu zum einkaufen und Radfahren OnePiece Overalls finde es einfach cool mal anders angezogen zu sein als die grosse Masse. Interessant ist es, dass eigentlich niemand weder Kollegen noch sonst jemand Notiz davon nehmen wie ich ab und zu nicht 08:15 mässig daher komme.
Habe einmal einen Versuch gemacht. ich machte mit ein paar Kollegen einen Ausflug, Ich zog einen OnePice an und darüber eine Jacke. Unterwegs als es mir zu warm wurde zog ich die Jacke aus und dachte jetzt gibt's blöde Sprüche. Aber gar nichts geschah. ich fragte später meinen Kollegen wie findet ihr mich im Overall. Die Antwort war einfach: sieht cool aus.
Wenn ich mal jemand in einem so OnePiece Overall sehe, was natürlich sehr selten ist, finde ich auch sieht doch super cool aus.

Hier noch ein paar Fotos:
Hier noch ein paar Fotos:


Im Overall ist man immer gut angezogen

 
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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#3 von It's Me ( Gast ) , 07.08.2017 14:58

Du hast ja auch die ultimativen Mützen dazu! B)
Den Marius wollte ich mir mal in Heavy Knit zulegen, habe erst vor dem Preis gescheut (war das so um 320,-?), dann war er reduziert, aber in meiner Größe ausverkauft. Du hat aber das Stoff-Modell, oder?

Heute nach Urlaub mit fast ausschließlicher Nutzung von Jumpsuits aller Art und Länge das erste Mal wieder mit 'normalen' Klamotten im Büro, oh Mann! 8-/

Bürokratische Grüße.

It's Me

RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#4 von Jumpiger , 07.08.2017 16:07

Ich weiss nicht ob es da verschieden Ausführungen gibt, jedenfalls ist er aus so Flies Stoff hergestellt, ca. 180 Sfr. werden aber jetzt recht günstig angeboten.


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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#5 von Gast , 07.08.2017 19:09

Ja, den gab es mal auf klassisch norwegische Weise grob gestrickt, da war das Muster nicht aufgedruckt, sondern eben mit verschieden farbigem Garn dick gestrickt und dann das Ganze mit Fleece gefüttert. Sehr schönes Teil, recht schwer, natürlich, aber das hatte eben auch echt Stil, so für den norwegischen Hüttenabend am Kamin. :O)


RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#6 von balapolar1 ( Gast ) , 08.08.2017 07:55

Hallo Jumpiger,

kann dir nur zustimmen. Bin auch schon ab und zu Samstags und nach Feierabend noch mal im Büro im onepiece aufgetaucht. Kommentar meiner Kollegin cool.
Samstags morgens zum Bäcker solo im dicken ungarischen Fleece "für Haus und Strasse".

balapolar1

RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#7 von Jumpiger , 08.08.2017 10:37

Hallo balapolar und Gast
Ja so OnePice und ähnliche Overalls sind einfach cool, schade laufen nicht mehr Leute so cool gemütlich rum.
Ich finde man sieht einfach so ungestresst aus in einem solchen Overall und man fühlt sich auch ungestresst.
Ich freue mich wieder wenn es wieder kühler wird im Jumping draussen rum zu Jumpen.

Hier nochmals ein Filmchen, das ich schon paar mal irgendwo angehängt werde

http://www.dailymotion.com/video/x5h7z3h


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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#8 von Overallbernd , 09.08.2017 07:33

Hallo,

die Onepiece kommen ja ursprünglich aus Norwegen. War von Euch schon jemand dort ? Sind die da öfter zu sehen ?

Viele Grüße

Bernd

Overallbernd  
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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#9 von It's Me ( Gast ) , 09.08.2017 11:18

Ich hab' sie dort erstmals kennengelernt, weil ich Leute damit gesehen habe. Die helfen auch ganz gut gegen Mücken, abends, wenn's kühler wird, auf der Veranda ...
Das ist aber auch schon ein paar Jahre her. Wie es heute ist, kann ich leider nicht sagen.

It's Me

RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#10 von Overaller , 09.08.2017 12:34

Ich trage Abends zur zeit sehr gerne einen Overall.
Ab herbst wieder ganzer Tag in Oerall.


Ich trage gerne Overall

 
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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#11 von balapolar1 , 09.08.2017 21:08

Ein Kapuzenoverall kann ein genialer Mückenschutz sein ! Wenn da noch Füßlinge und Handschuhe integriert sind, der Gesichtbereich in der Kapuze durch ein Netz abgedeckt wird und der Oberstoff festeres Matrial ist, das die Biester nicht so leicht durchstechen können. Das gewährleistet entspannte Abende auch wenn es rundherum summt. Ich möchte so einen Overall nicht mehr missen.
g6p30-Mueckenschutz.html

 
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RE: Der Overall in Theorie und Praxis

#12 von It's Me ( Gast ) , 09.08.2017 21:41

Durch die Dicke des Stoffes ist schon eine ganz gute Duchstichfestigkeit gegeben. Die häufigsten Mücken da oben sind die Knotts, die sind sehr sehr klein, und die stechen wie die Weltmeister. Allerdings können sie nicht durch ein dickes Fleece durchpieksen, da reicht der Rüssel nicht. Manchmal kommt es eben doch auf die Länge an ...

Da bei den meisten Onepiece der Reißverschluss bis in die Kapuze reicht, müsste sich das doch ausnutzen lassen, um ein Mückennetz einzuzippen.

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